10 JAHRE Rock for Tolerance Open Air Festival | 19./20. Juni 2026 | Hann. Münden

Die glitzernde Welt des Discopunk
Weltuntergang und Zukunftsträume, toxische Männlichkeit und transfeindlicher Feminismus, schwarz, weiß, grün und blau, künstliche Intelligenz und natürliche Dummheit – Senor Karoshi hat in den letzten Jahren viel gegrübelt über die großen Fragen unserer Zeit. Ist es noch en vogue, Pazifist*in zu sein? Taugen weiße Westen als Bandshirts? Und die wichtigste aller Fragen: Können Punker tanzen? Und wenn
ja, hält denn das der Dancefloor aus?
Den Antworten auf der Schliche hat Senor Karoshi seine jüngst erlernten Skills in der Erschaffung synthetischer Klänge verfeinert und diese mit den bewährten Tugenden des punkigen Geballers kombiniert. Auch an der lyrischen Schraube wurde noch einmal kräftig gedreht. „Nach fest kommt Rap“ oder so ähnlich sagt man ja auch. Heraus gekommen ist dabei eine erfreulich unverbrauchte Mixtur, die insbesondere in der deutschen Punklandschaft so nur selten zu hören ist. Hier und da brutal, aber
immer den Hüftschwung fokussierend. Niegelnagelneu, betörend schön und genau deshalb brandgefährlich. Doch genug der profanen Inhalte. Schließlich kam es immer schon vor allem auf die Verpackung an!
Hörbar inspiriert vom britischen Postpunk der letzten Jahrzehnte war schnell klar, wo die neuen Songs entstehen würden… In Liverpool nämlich atmet Senor Karoshi den Duft des Empire, der Fab Four, von Fish and Chips und Möwenkacke. Und natürlich die frische Brise der Whitewood Recording Studios! Zum wiederholten Male durfte Robert Whiteley hier seinen lieblichen Feenstaub über die Arrangements streuen. Das Ergebnis ist demgemäß ebenso zauberhaft wie authentisch: Dancefloor und Straßendreck, kalter Kaffee und lauwarmes Bier, radikale Zärtlichkeit und geballte Fäuste – das alles sind in den zehn Songs auf „Egosystem“ von Senor Karoshi keine Gegensätze, sondern gegenseitige Bedingung.
Also: Springt an die Discokugel, seid wütend und tanzt dabei mit Senor Karoshi gegen die lähmende Ungerechtigkeit dieser Welt an!
Senor Karoshi gibt es seit Ende 2013. Die positive Resonanz auf unsere selbstveröffentlichte Vinyl-EP mit dem griffigen Titel „|ñ|ō|“ war ermutigend, unsere Euphorie dementsprechend groß. Es folgten im Folgejahr deutschlandweit über 20 Auftritte, u.a. mit Torche, Captain Planet, Love A, Lygo, Freiburg, The Baboon Show und einigen mehr.
Zügig wurden weitere Songs aufgenommen und zwei davon auf einer Split-7“ zusammen mit der Band „außer ich“ bei Tumbleweed Records ausgekoppelt. Unsere Debut-LP „…oder deswegen“ erschien trotz fertiger Aufnahmen aufgrund privater Baustellen dann aber erst im Frühjahr 2019. Sie bescherte uns erneut erfreuliche Kritiken, unser erstes Label (Disentertainment Records) und eine Bookingagentur (Bunte Welt Booking). Der Releasetermin sowie die folgende Tour waren dann jedoch überschattet von der Krebsdiagnose unseres Schlagzeugers und langjährigen Freundes Jan. Einen großen Teil der Tour konnten wir nur mit der Hilfe befreundeter Schlagzeuger absolvieren.
Allen voran haben wir in Lukas, dem Drummer unserer damaligen Labelkollegen „Karlsson“, einen tollen Menschen kennengelernt. Jans Krankheit schritt voran und sein Wunsch war es, noch einmal neue Songs mit uns aufzunehmen. Um das trotz seiner schwindenden Kräfte zu ermöglichen, machten wir aus der Not eine Tugend. Schlagzeug und Bass ersetzten wir durch Samplepad und Synthesizer. Mit der so entstandenen EP „KRISE“ tauchten wir den kleinen Zeh verhalten in die glitzernde Welt des Discopunk.
Nach einer langen Phase der Trauerbewältigung und des gegenseitigen Beschnupperns begannen die Proben langsam wieder Freude zu machen. Uns einte dabei vor allem die Erkenntnis, dass uns das doch recht enge Korsett des modernen Deutschpunk hier und da zu zwicken begann. Zu schwermütig, zu steif, zu selbstmitleidig… kurz gesagt, zu deutsch. In diese Falle wollten wir gerade nach den Ereignissen der letzten Jahre nicht tappen!
Wir haben Bock auf Tanzbarkeit, auf verrückte Samples, auf Sprechgesang, wilde Reime und stampfende Beats. Wir scheuen keine Drumcomputer, keine Vocoder und keine Backingtracks. Erlaubt ist, was geil klingt! Ziemlich Punk eigentlich… 🙂
Zur Band gehören Wienke Matthies (Gesang), Nils „Rudi“ Ruff (Gitarre), Marcel Köhler
(Gitarre), Felix Waldau (Bass) und Marco Drews (Drums)







